Kongresshighlights

Die ÖGP | OGTC Jahrestagung hat auch im virtuellen Format viele spannende Sitzungen umfasst und Kongresspräsident Univ.-Prof. Dr. Ernst Eber, Kongresssekretäre DDr. Philipp Douschan und Priv.-Doz. Dr. Andreas Pfleger sowie Dr. Teresa Sassmann haben für Sie ein paar Highlights der Sitzungen zusammengefasst.

 

Tag 1

Neues zu CF und Infektionen

Tag eins des virtuellen ÖGP-Kongresses startete mit interessanten Aspekten zu CF und Mikrobiom. Marie-Madlen Pust präsentierte neue Daten zum CF Lungenmikrobiom von Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern im Vergleich zu gesunden Kontrollen. Gesunde Neugeborene zeigen von Beginn an eine größere Bakteriendiversität als CF-Neugeborene. Weiters nachgewiesen wurde, dass auch gesunde Neugeborene transient Pseudomonas-kolonisation zeigen können.

Olaf Eickmeier gab einen umfassenden Überblick zu allen Aspekten der Pilzinfektion-bei CF wie ABPA, SAFS, chronischer Aspergillus-bronchitis und chronischer pulmonaler Aspergillose. Sein Vortrag umfasste epidemiologische Aspekte und Einflussnahme auf die Lungenfunktion sowie diagnostische Aspekte inklusive Galaktomannan-bestimmung im Sputum oder rekombinante Aspergillusantikörpertestung.

Volker Strenger besprach dann neue Antibiotische Therapiekonzepte von inhalativen Alginat-Oligosacchariden, Strategien gegen das Biofilm-Quorumsensing von Bakterien bis hin zu neuen Betalaktamase inhibitor-Kombinationen und Optionen wie Cefiderocol, ein Antibiotikum als“trojanisches Pferd“ (Fe-Chelat-Komplex) und zuletzt auch die Cephalosporine der 5. Generation und u.a. ihre Wirkung auf MRSA.

 

ILE update

Christian Prior hatte den Vorsitz dieser Session.

Dirk Koschel erläuterte die wichtigsten aktuellen Studien zu ILE. Besonders der Inbuild Trial 2019 hatte große Wellen geschlagen. Patienten mit progredienter fibrosierender Lungenerkrankung (PF-ILE) wurden mit Nintedanib vs. Plazebo behandelt und zeigten mit Nintedanib im zeitlichen Verlaufeinen geringeren Abfall der FVC im Vergleich zur Plazebo Gruppe. Bei der Relief Studie, in der Pirfinidon in Patienten mit PF-ILE ebenfalls einen positiven Effekt auf den Verlauf der Lungenfunktion zeigte, kam es aufgrund von zu geringen Rekrutierungen jedoch zu einem vorzeitigen Abbruch. Zusammenfassend sind antifibrotische Therapien nicht nur in IPF Patienten wirksam und Standard, sondern auch zunehmend in Patienten mit PF-ILD.

Sabin Handzhiev referierte über die neue DACH IPF Leitlinie. Neben einer genauen Anamnese sind eine Reihe von serologischen Tests inkl. antinukleäre Antikörper, Myositis Panel und ANCA empfohlen. Eine bronchoalveoläre Lavage sollte bei Verdacht auf IPF oder Hinweise auf eine bestimmte Genese durchgeführt werden. Eine transbronchiale Biopsie spielt bei UIP Muster keine Rolle mehr. Für andere Muster gibt es keine Empfehlung. Die transbronchiale Lungen-Kryobiopsie ist gegenüber der chirurgischen vorteilhaft. Das ILD Board stellt den Gold-Standard dar und sollte zumindest zweimal durchgeführt werden. Biomarker spielen derzeit noch keine Rolle in der klinischen Routine.

Abschließend veranschaulicht Helmut Prosch die unterschiedlichsten CT-Morphologien der ILE. In der Diskussion wird auf die Schwierigkeit der Vorhersage der Reversibilität und der heterogenen Ursachen (Fibrose, Entzündung, Blut, Ödem) von Milchglas hingewiesen. Daher ist der klinische Kontext bei der Vorhersage und Therapiewahl (antiinflammatorisch, antifibrotisch, immunsuppressiv) entscheidend.

 

Pulmonale Hypertonie – gar nicht so selten

Den Vorsitz dieser spannenden Session hatte Gabor Kovacs.

Jean-Luc Vachiery begann mit dem Thema „pulmonaler Hypertonie bei Linksherzerkrankung“. In seinem Vortrag berichtete er über die Schwierigkeit der Behandlung von Patienten mit pulmonaler Hypertonie bei Linksherzerkrankung mit gezielten PAH Medikamenten, besonders wenn eine kombinierte prä- und postkapilläre PH vorhanden ist. Aufgrund der aktuellen Datenlage scheinen diese Patienten nicht von einer gezielten PAH Therapie zu profitieren (Melody Trial). Ob es eine noch nicht identifizierte Gruppe von Patienten gibt, die unter einer kombinierten prä- und postkapillären PH leiden und von einer gezielten PH Therapie profitieren, müssen klinische prospektive Studien klären. In der Diskussion wurde ein Algorithmus diskutiert, welcher basierend auf den PAWP klar Linksherzerkrankung von Nicht-Linksherzerkrankung trennt. Bei Patienten in der „Grauzone“ mit Werten zwischen 12-15mmHg muss ein Augenmerk auf den Flüssigkeitshaushalt und linkskardiale Erkrankungen wie diastolische Dysfunktion oder ischämische Kardiomyopathien gelegt werden.

Marc Humbert sprach über „PH bei Lungenerkrankung“. Als hot-topic wurde über den vaskulären Phänotyp bei Patienten mit COPD referiert. In der Diskussion erklärte der Referent, dass aufgrund des noch unklaren Zusammenhangs zwischen Schlafapnoesyndrom und PH, dieses aus der Klassifikation der Gruppe 3 herausgenommen wurde. Am Ende wird der Stellenwert von DLCO als prognostischer Marker in Patienten mit PH-Lunge hervorgehoben.

Judith Löffler-Ragg stellte schließlich weitere PH Formen vor, wie PH bei chronischen Nierenerkrankungen, bei Schistosomiasis oder die portopulmonale Hypertonie. Die klinische Klassifikation stellt aufgrund der Multiorganbeteiligung nach wie vor eine Herausforderung dar. Eine gezielte Therapie wie bei PAH ist indiziert, sollte allerdings mit der Therapie der Grunderkrankung abgestimmt werden.

 

Chronischer Husten: Neue Erkenntnisse bei einem häufigen Problem

Die Sitzung wurde moderiert von Sylvia Hartl.

In der ersten Präsentation ging Otto Burghuber initial auf die Prävalenz von chronischem Husten in der Bevölkerung ein – mehrere Studien, so auch die österreichische LEAD Studie (eine longitudinale epidemiologische Studie an >11.000 Probanden im Alter von 18-80 Jahren aus Wien und Niederösterreich), zeigten eine Prävalenz von rund 10%, bei ausgeglichenem Geschlechterverhältnis. Im Gegensatz dazu sind in sogenannten „cough clinics“ etwa zwei Drittel der Patienten weiblich. In der LEAD Studie wurden u.a. Phänotypen des chronischen Hustens, wie im entsprechenden ERS Task Force Report definiert, untersucht. Es zeigte sich für Frauen und Männer gleichermaßen eine deutliche Zunahme von chronischem Husten mit dem Alter. Etwa 30% der untersuchten Population hatten einen idiopathischen chronischen Husten, über 50% konnten den ERS Phänotypen zugeordnet werden. Etwa ein Drittel hatten zwei oder mehr Phänotypen, und die Hälfte hatte Husten für >1 bis 5 Jahre. Raucher hatten im Gegensatz zu ehemaligen Rauchern ein erhöhtes Risiko für chronischen Husten, und mehr als zwei Drittel der Personen mit chronischem Husten waren entweder Raucher oder ehemalige Raucher.

Jaclyn Smith ging in ihrer Präsentation auf die Neurophysiologie des Hustens und die Mechanismen der Dysregulation bei refraktärem chronischen Husten ein. Dazu zählen (1) eine neuronale Hyperexzitabilität basierend auf verstärkten Luftwegsstimuli, einem abnormalen Luftwegsnervengeflecht und einer erhöhten ZNS-Aktivierung und (2) verminderte inhibitorische Kontrolle. Frauen haben gegenüber Männern einen verstärkten Hustenreflex; Gesunde können Husten besser unterdrücken als Patienten mit chronischem Husten. Darüber hinaus stellte Prof. Smith eine Studie zu einem P2X3 Antagonisten bei chronischem Husten vor.

Angela Zacharasiewicz führte durch den rezenten ERS Task Force Bericht zum Thema chronischer Husten. Sie betonte die zu Erwachsenen unterschiedliche Definition des chronischen Hustens bei Kindern (täglicher Husten >4 Wochen), die empfohlenen Abklärungsschritte bei Kindern, die strengen Indikationen für eine antibiotische Therapie, die Wichtigkeit der Reduktion möglicher auslösender Faktoren und im Besonderen die Warnhinweise („red flags“) für eine schwere Erkrankung.

 

Lunge und Immunsuppression

Die Session wird moderiert von Christopher Lambers.

Im Zuge der Session „Lunge und Immunsuppression“ wurde über aktuelle Empfehlungen und Entwicklungen im Feld der Immunsuppression nach Lungentransplantation und dem Management ihrer Komplikationen referiert und diskutiert.

Den Anfang machte Holger Flick, welcher über eine kürzlich in CHEST publizierte Expertenempfehlungen zum Management der ambulant erworbenen Pneumonie bei Immunsuppression berichtet (Ramirez et al., PubMed ID: 32561442). Es wird ein Überblick über die häufigen und seltenen Erreger von CAP unter Immunsuppression gegeben und in der anschließenden Diskussion der große Stellenwert einer systematischen Abklärung hervorgehoben.

Im Anschluss daran präsentierte Dr. Jaksch aktuellsten Daten zum Immunmonitoring abseits von herkömmlichen Methoden, wie der Bestimmung von Medikamentenspiegeln. Im Fokus seiner derzeitigen Forschung steht das Torque-Teno-Virus (TTV), ein pathogenes Virus, welches erst unter Immunsuppression eine deutlich erhöhte Replikationsrate aufweist. Erst kürzlich stellte sich heraus, dass stark erhöhte TTV-DNA Spiegel im Blut von Lungentransplantierten, als Ausdruck einer zu  hohen individuellen Immunsuppression, mit erhöhten Infektionsraten einhergehen, wohingegen zu niedrige Spiegel mit erhöhten Abstoßungsraten einhergehen. Die einfache und günstige Bestimmung der TTV-Last könnte so in Zukunft bei der Findung der optimalen individuellen Medikamentenspiegel eine einfache Alternative zu herkömmlichen Immunmonitorverfahren nach Transplantation eine wesentliche Rolle spielen.

Als Gastredner aus Paris präsentierte schließlich Antoine Roux neue Konzepte in der Therapie der akuten Transplantatabstoßung. Basierend auf einer genauen molekularen Klassifizierung des zugrundeliegenden Abstoßungsmechanismus sollen in Zukunft zielgerichtete Therapien entwickelt werden, um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern.

 

Tag 2

 Asthma Update

Die Sitzung wurde moderiert von Felix Wantke.

Roland Buhl berichtete über aktuelle Studien und Entwicklungen zur Therapie des Asthma bronchiale bei Erwachsenen. In seinem Vortrag betonte er besonders die mit einem häufigen Gebrauch von kurz wirksamen Beta-2-Agonisten (SABA) assoziierten Risiken, das Konzept der Bedarfstherapie mit niedrig dosiertem ICS-Formoterol bereits ab Stufe 1 und die Datenlage zur Triple-Therapie.

Ernst Eber ging in seinem Referat auf die Besonderheiten des Managements von Asthma bei Kindern und Jugendlichen ein und betonte die Wichtigkeit einer korrekten Diagnosestellung, eines adäquaten Monitorings zur Erzielung einer guten Asthmakontrolle, der Beachtung und Behandlung von Komorbiditäten, der Überprüfung und Sicherung der Therapieadhärenz, der Schulung und Überprüfung der Inhalationstechnik, der Vermeidung von Tabakrauchexposition, und einer personalisierten Therapie (nicht: „one size fits all“). Als beachtenswert hob er die Warnung der FDA bezüglich des Einsatzes von Leukotrienrezeptorantagonisten hervor.

Marco Idzko führte durch alle gängigen Biologika-Therapien, die heute für Patienten mit schwerem Asthma, welche bereits mit hoch dosierten Steroiden/LAMA/LABA behandelt werden, zur Verfügung stehen. Im Anschluss stellte er sein Vorgehen bei schwerem Asthma inklusive einer vollständigen Abklärung (CT, DLCO, BAL, immunologisch-rheumatologische Abklärung) vor.

 

Rauch und Dampf in Österreich

Die Sitzung wurde moderiert von Angela Zacharasiewicz.

Diese ebenfalls sehr interessante Sitzung war den Themen „EVALI“, „Psychiatrische Erkrankungen und Rauchen“ sowie „Österreich nach dem 1.11.2019“ („One year of indoor smoking ban in Austria“) gewidmet.

Helmuth Popper gab neben eindrucksvollen pathologisch-anatomischen Bildern einen guten Einblick in die Funktion der E-Zigarette und die Schadstoffe (u.a. Nikotin, THC, Benzaldehyde, Propylenglykol, Acetaldehyde) bei Verwendung von E-Zigaretten und Shishas. Letztere führen u.a. zu Bronchialzellautophagieprozessen und Inflammation mit ARDS und/oder organisierender Pneumonie.

Christoph Silberbauer erörterte in seinem Referat die Hinweise auf kausale Zusammenhänge zwischen Rauchen und psychischen Erkrankungen. Raucher sind unter psychiatrischen Patienten nach wie vor 2- bis 4-mal häufiger als in der Allgemeinbevölkerung.

Manfred Neuberger widmete sich dem wichtigen Thema, was nach einem Jahr „rauchfreie Gastronomie“ noch zu tun bleibt, u.a. von Seiten der Initiative „Ärzte gegen Raucherschäden“. In seinem Referat formulierte und definierte er sehr klar die aktuell bestehenden Defizite und notwendigen weiteren Schritte auf dem Weg zu einem „rauchfreien Österreich“.

 

Grenzgänge in der Intensivmedizin

Eveline Kink hatte den Vorsitz dieser Session.

Den Anfang dieser interessanten Sitzung machte Andreas Valentin mit dem Thema „End of life – Entscheidungsfindung beim respiratorischen -Versagen. Medizinische und ethische Aspekte, genauso wie der mutmaßliche Patientenwille sollten multidisziplinär besprochen und im Sinne einer individualisierten Medizin angewendet werden. In der Diskussion wird auch der nicht unerhebliche Faktor der Belastung für das medizinische Personal bei „end-of life“ Entscheidungen angesprochen. Aus Sicht des Vortragenden ist dies meist dann der Fall, wenn offene Konflikte im Raum stehen. Unstimmigkeiten innerhalb des Teams sollten daher offen angesprochen und diskutiert werden, sodass ein Konsens gefunden werden kann.

Matthias Urban beleuchtete im Anschluss die Problematik der Ko-/Multimorbidität bei Patienten mit respiratorischem Versagen. Je mehr Begleiterkrankungen bei Patienten mit akutem respiratorischem Versagen, umso höher ist die Mortalität. Dies konnte in zahlreichen Studien belegt werden und stellt keine wesentliche Überraschung dar. Besonders die COPD ist ein potenzierender Faktor, der viele Überschneidungen mit kardialen Erkrankungen hat. Auch bei COVID gilt, je mehr Komorbiditäten, insbesondere maligne Erkrankungen, COPD oder Niereninsuffizienz umso höher die Hospitalisierung und Mortalität. Polypharmazie mit den zahlreichen unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen wurde heiß diskutiert, insbesondere ob eine Guideline konforme Therapie im Widerspruch steht zu individualisierter Medizin.

Abschließend referierte Georg-Christian Funk über „Targeted therapy und Therapiebegrenzung – Zeit zum Umdenken?“. Zahlreiche neue Therapien bei Lungenkrebs verlängern das Leben dieser Patienten maßgeblich. Somit hat in den letzten Jahren auch ein Umdenken von Seiten der Intensivmedizin stattgefunden. Krebserkrankungen stellen heutzutage keine Kontraindikation für eine intensivmedizinische Behandlung mehr dar, immerhin haben ein Viertel der Intensivpatienten eine maligne Erkrankung. Verschiedene Konzepte zur Behandlung von Patienten mit akuter Verschlechterung und maligner Erkrankung stehen zur Verfügung – Stichwort „ICU Trial“. Prognostizierte Lebenserwartung, (mutmaßlicher) Patientenwille und ethische Überlegungen der Lebensqualität sollten in jedem Fall berücksichtigt werden.

 

Tag 3

Allergologie-Update

Die Sitzung wurde moderiert von Fritz Horak.

Zsolt Szepfalusi erläuterte, welche PatientInnen mit einer Nahrungsmittelallergie von einer Diät profitieren und wann eine Toleranzentwicklung durch Zufuhr des Allergens erreicht werden kann. Relevante Studien wie die LEAP-Studie an Kindern mit Neurodermitis, wo gezeigt werden konnte, dass eine frühe Exposition von Erdnussallergen zu einer Toleranzentwicklung und deutlich geringerem Risiko eines Auftretens der Allergie bis zum 5. Lebensjahr führt, und neuere Studien an Kindern und Erwachsenen zur Toleranzinduktion bei oraler Allergenzufuhr sind vielversprechend.

Verena Niederberger-Leppin legte überzeugend dar, dass eine allergische Rhinitis mit Lebensqualitätseinbußen, geringerer Leistungsfähigkeit, schlechterer Schlafqualität und einem höheren Risiko ein Asthma bronchiale zu entwickeln einhergeht. Daten bei Kindern sowie Erwachsenen belegen einen klaren Effekt der spezifischen Immuntherapie, sowohl in der Besserung der allergischen Rhinitis als auch in der Prävention von Asthma. Außerdem zeigt die Behandlung einer allergischen Rhinitis auch auf ein gleichzeitig bestehendes Asthma klar positive Effekte.

Beide Vortragende waren sich einig, dass die Therapieadhärenz sowohl bei der SCIT als auch bei der SLIT entscheidend ist; eine SCIT mit regelmäßiger Wiederbestellung der PatientInnen hat somit Vorteile. Die Behandlung sollte mit Präparaten erfolgen, deren langfristige Wirksamkeit durch Studien klar belegt ist. Dazu gibt es für Kinder und Erwachsene publizierte Empfehlungen der Fachgesellschaften. Nach einer COVID-19 Erkrankung sollte man mit dem Wiederbeginn einer SIT warten, bis sich der Patient wieder fit fühlt.

Die drei Spezialisten konnten in der Diskussion auf viele weitere Fragen der TeilnehmerInnen eingehen.

 

CF Update

Die Sitzung wurde moderiert von Andrea Lakatos-Krepcik

Andreas Jung berichtete über Studienergebnisse aus dem Europäischen CF-Register, in welches auch 13 österreichische CF-Zentren jährlich Daten eingeben. Er ging u.a. auf die CF-Diabetes-Inzidenz bei Jugendlichen (12%) und Erwachsenen (50%) ein, ebenso auf vermehrt chronische Staphylokokkus aureus-Infektionen bei gleichzeitig verringerten chronischen Pseudomonas aeruginosa-Infektionen erwachsener CF-PatientInnen in den letzten Jahren. Die Bedeutung von Post Marketing-Sicherheits- und -Effektivitäts-Studien über die Registerdaten, insbesondere für die in den letzten Jahren zunehmend verwendeten neuen CFTR-Modulatoren, wurde erläutert.

Florian Singer brachte einen Überblick über rezente Lungenfunktionsdaten. Die MBW-Technik (eine Gasauswaschmethode) gewinnt in der Früherkennung von Pathologien in den kleinen Atemwegen und im Monitoring zunehmend an Bedeutung. Im Jahr 2019 publizierte Normwerte, welche an einem großen Kollektiv erhoben wurden, liegen zur N2-MBW-Methode vor.

Ernst Eber stellte die wichtigsten Studien der letzten Jahre zu den vielversprechenden CFTR-Modulatoren vor und erklärte die Wirkweise von Korrektoren und Potentiatoren, sowie deren Effekte auf Lungenfunktionsentwicklung, Gewichtszunahme sowie die Exazerbationsfrequenz. Die Effekte zeigen sich auch in einem Abfall der Chloridkonzentrationen im Schweißtest. Mit der neuen Dreifachkombination aus zwei Korrektoren (Elexacaftor/Tezacaftor) und einem Potentiator (Ivacaftor) konnten sogar bei PatientInnen, die nur eine F508del-Mutation und darüber hinaus eine „minimal function“ Mutation auf dem anderen Allel aufweisen, Verbesserungen der Lungenfunktion (FEV1 in % Sollwert) von im Mittel über 10% erzielt werden. Somit steht in Zukunft für mehr als 80% aller CF-PatientInnen eine effektive Therapie zur Verfügung.

 

Besondere Risikosituationen in der Pneumologie

In der von Horst Olschewski geleiteten Session wurde ein breites Spektrum an unterschiedlichen Risikosituationen, wie sie bei Patienten mit Lungenerkrankungen auftreten können, präsentiert. In ihrem Vortrag zu Höhenaufenthalten und Flugreisen von Patienten mit Lungenerkrankungen präsentierte Silvia Ulrich unterschiedliche Fälle und diskutierte sie mit dem Publikum. Was empfiehlt man einem Patienten im Endstadium einer Lungenfibrose, der noch einmal in seine Heimat fliegen möchte? Ab welcher Höhe stellen Aufenthalte im Gebirge eine Gefahr für Patienten mit respiratorischer Insuffizienz dar? Basierend auf internationalen Expertenempfehlungen und eigenen Forschungsergebnissen versuchte Frau Prof. Ulrich Antworten zu diesen Fragen zu finden.

Im Anschluss folgte ein Vortrag von Viktoria Muster zum Thema Schwangerschaft und Lungenembolie. Basierend auf den aktuellen internationalen Empfehlungen wurde auf das empfohlene diagnostische und therapeutische Procedere für Schwangere mit Lungenembolie eingegangen. Zudem wurden die unterschiedlichen Indikationen für eine Thromboseprophylaxe während der Schwangerschaft besprochen.

Als Abschluss präsentierte Peter Jaksch die häufigsten Problemkeime, welche sich bei immunkompromittierten Patienten in der Lunge manifestieren können. Zudem gab er Empfehlungen zum optimalen Management dieser Infektionskrankheiten im klinischen Alltag und ließ dabei seine eigene langjährige Erfahrung in der Versorgung von Lungentransplantierten einfließen.

 

COPD Update

Der COPD-Fachmann Klaus Vogelmeier von der Universitätsklinik Gießen/Marburg moderierte diese mit prominenten Vortragenden besetzte Session.

Zu Beginn referierten Sylvia Hartl und Klaus Rabe in Form einer Pro- und Kontrasession über die Indikationen und Kontraindikationen von inhalativen Corticosteroiden (ICS) bei COPD-Patienten. Zahlreiche Landmark-Studien zu diesem Thema und deren Schwachstellen wurden aufgearbeitet und damit die Grundlage der rezenten GOLD Leitlinien erläutert. Dem Zuhörer wurde so vermittelt welche Rationale hinter den aktuellen Empfehlungen zu ICS steht.

Bernd Lamprecht stellte in seinem Vortrag die Frage ob denn alltägliche Patientenkollektive in den hochrangig publizierten Studien überhaupt abgebildet werden. Neben internationalen Registerstudien, präsentierte er auch eigene Forschungsergebnisse. Dabei fiel eine starke Diskrepanz in den Eigenschaften von Patienten aus dem Alltag und jenen selektionierten Kollektiven aus den Zulassungsstudien auf. Ein großes Problem ist die niedrige Therapieadhärenz der Patienten im Alltag so Lamprecht.

In einer abschließenden spannenden Diskussion wurden Fragen aus dem Publikum unter den anwesenden Fachleuten besprochen.

 

Hot Topics in der pneumologischen Onkologie

Den Vorsitz dieser spannenden Session hatte Maximilian Hochmair.

Der Radiologe Lucian Berr referierte über PET/CT während der Immuntherapie beim NSCLC. Prinzipiell bringt das PET-CT gegenüber dem CT keinen Mehrwert, wenn es um die Beurteilung des Therapieansprechens nach 12 Wochen geht. Für die frühzeitige Therapieevaluierung liefert die PET-CT einen diagnostischen Vorteil. Allerdings werden bei dieser frühzeitigen Bildgebung bis zu 35% der Patienten mit initial metabolischem Prozess in der PET-CT als falsch-progredient beurteilt (Pseudoprogression). Derzeit gibt es keine Evidenz, dass die PET CT immunmediierte Nebenwirkungen mit einer höheren Rate detektiert. Abschließend berichtete er, dass der Einsatz der Immuno-PET-CT eine nicht-invasive Erfassung der PD-1L (oder anderer Target Gene) Expression ermöglicht und künftig zu einer personalisierten Medizin führen kann.

Im zweiten Vortrag berichtete Romana Wass über den Stellenwert der Immuntherapie im (neo)adjuvanten Setting. Neoadjuvante Immuntherapien zeigen definitiv Effektivität in Phase-II Studien, welche durch Kombinationsstrategien wie IO/CTx oder IO/IO gesteigert wird. Operationen sind nach Immuntherapien komplexer. Offen bleiben zum jetzigen Zeitpunkt noch Fragen wie die des Timings (neoadjuvant, adjuvant, beides), welche Patienten für eine IO Therapie geeignet sind (Stichwort Biomarker) und ob eine Monotherapie oder Kombinationsstrategie gewählt werden soll. Um diese offenen Fragen zu beantworten müssen Ergebnisse der Phase III abgewartet werden.

Abschließend erläutert Petra Feuerstein den abscopalen Effekt, den es wirklich gibt. Der Effekt beschreibt das Phänomen, dass auch nicht bestrahlte Areale post-Radiatio kleiner werden. Durch die Bestrahlung allein tritt dieser sehr selten auf, kann jedoch durch die Kombination mit Immuntherapie komplementiert werden, wodurch die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, dass der abscopale Effekt auftritt. In der Diskussion gibt die Referentin zu bedenken, dass basierend auf einer Studie aus Klagenfurt (Tubin et al., 2019), bei der 23 Patienten mit „bulky tumors“ dreimal mit hohen Dosen bestrahlt wurden und eine durchschnittliche Tumorreduktion von 70%, einen Bystandereffekt von 96% und einen abscopalen Effekt von 52% zeigten, die Bestrahlung des hypoxischen Tumorteils ein gutes Konzept im palliativen Setting darstellt.

 

Schlaf und Gesellschaft

Christoph Puelacher moderierte diese Session.

Welche Assoziation besteht zwischen Geschlecht und dem Auftreten von Schlafstörungen? Wie wirken sich Hormone auf die Entstehung eines SAS aus? Diese Fragen versuchte Arschang Valipour im ersten Vortrag dieser Session zu beantworten. Er zeigte, dass SAS bei Männern häufiger ist und schwerere Verläufe nimmt. Doch auch Frauen sind insbesondere postmenopausal von Schlafstörungen betroffen. Häufig präsentiert sich das SAS bei Frauen jedoch mit einem atypischen Symptomenbild. Ein wesentlicher Faktor für die frühe Diagnostik eines SAS ist der jeweilige Partner. Laut den präsentierten Daten sind Frauen sensibilisierter auf einen unruhigen Schlaf ihres Partners, was möglicherweise zu einer früheren und vermehrten Diagnose von Schlafstörungen bei Männern führt. Männer hingegen erscheinen bzgl. Schlafstörungen ihrer Partnerin toleranter zu sein.

Auf die Assoziation von Schlafstörungen mit Herzrhythmusstörungen ging Wolfgang Dichtl in seinem Vortrag ein. Er präsentierte rezente Studien zur Prävalenz und Therapie von Schlafstörungen bei herzkranken Menschen. Es zeigt sich nicht nur eine Häufung von Schlafstörungen bei Herzerkrankungen, ein SAS scheint zudem primär vermehrt Rhythmusstörungen zu verursachen und präexistente Rhythmusstörungen zu verstärken.

Schließlich versuchte Christine Blume die spannende Frage nach dem Einfluss der Corona-Pandemie auf unsere Schlafgewohnheiten zu beantworten. Sie konnte auch anhand von eigenen Studien zeigen, dass es zu signifikanten Änderungen in der Länge des Schlafes und der Schlafqualität während des Lockdowns Anfang des Jahres gekommen ist. Sehr zu empfehlen

Hauptprogramm als PDF

Hier können Sie das detaillierte Hauptprogramm der 44. Jahrestagung der ÖGP und der 4. Jahrestagung der OGTC herunterladen:

Hauptprogramm

 

Wir bitten auch zu beachten dass im Referentenverzeichnis in älteren Programmversionen (inkl. dem gedruckten Programm) Assoc.Prof. Dr. Stubenberger fälschlicherweise als Assoc.Prof. Priv.-Doz. Dr. gelistet wurde – inzwischen konnte das richtiggestellt werden und wir entschuldigen uns für die Fehlinformation.

DFP Punkte

Für die Teilnahme an der ÖGP | OGTC Jahrestagung werden folgenden DFP Punkte aus dem Fach Lungenkrankheiten vergeben:

Gesamtkongress (Mi., 14. 10. ab 15:00 Uhr bis Fr., 16. 10. 18:30 Uhr): 10 DFP Punkte

Mi., 14. Oktober 2020: 4 DFP PunktedfpLogo
Do., 15. Oktober 2020: 3 DFP Punkte
Fr., 16. Oktober 2020: 3 DFP Punkte

Um Ihre DFP Punkte buchen zu können, bitten wir Sie, im Rahmen der Anmeldung Ihre ÖAK Nummer bekannt zu geben.

 

 

Save the Date

Save the Date

 

Die 44. Jahrestagung der ÖGP und die 4. Jahrestagung der OGTC findet von 14. – 16. Oktober 2020 täglich von 15:00 – 18:30 virtuell statt.
Details zum Programm werden Ende Juli 2020 hier publiziert.